Schulerweiterung

Schon viele Jahre kämpft der Förderverein der MLS zusammen mit der Elternschaft um die Erweiterung des alten Schulgebäudes von 1899, damit die Schüler und Lehrer von heute wieder ein angemessenes Lernumfeld erhalten. Anlässlich der Einweihung des Neubaus am 01.07.2010 hat nun einer der aktivsten Elternvertreter der letzten Jahre, Dr. Wilke Behrends, in einer Rede die Vorgeschichte zum Neubau lesenswert zusammengefasst. Mit seiner Erlaubnis publizieren wir diese Rede für alle, die bei der Eröffnung nicht dabei sein konnten.

Ansprache zur Einweihung am 01.07.2010

(Schulelternbeirat / Wilke Behrends)

Liebe Vertreter des Magistrats, lieber Herr Oberbürgermeister Vaupel, Herr Bürgermeister Kahle, Frau Schuldezernentin Weinbach, liebe Schulgemeinde – Herr Pfeiffer, die Lehrer, die Schüler, liebe Mit-Eltern: Mein Name ist Wilke Behrends, und ich spreche zu Ihnen für die Elternschaft der Martin-Luther-Schule, und ich sage nur: Welch eine Freude! Welch eine Freude, daß wir hier angekommen sind. Wir Eltern haben zu diesem Neubau eine ganz besondere Beziehung. Wir meinen nämlich – den haben wir uns erstritten. Aber wir hatten auch das Glück, beim damaligen Schuldezernenten ein Gegenüber zu finden, das nicht auf einer einmal in der Verwaltung gefaßten Meinung beharrt hat, sondern sich überzeugen ließ. Das ist eine schöne Geschichte, und sie ist acht Jahre her, kaum einer der heutigen Schüler war dabei – darum soll sie heute noch einmal erzählt werden. 2002 platzte die MLS aus allen Nähten. Der Schulbetrieb hatte sich auf Klassenräume in der Friedrich-Ebert-Schule und im damaligen Gebäude der EAM in der Uferstraße ausgedehnt – beide auch in kurzen Pausen noch passabel zu erreichen. In 2002 reichte auch das nicht mehr. Als vierter Standort kamen zwei ziemlich marode Container auf dem Gelände der Käthe-Kollwitz-Schule hinzu, Fußweg einer großen Pause. Das Chaos, das dadurch in den Schulbetrieb getragen wurde (vor allem bei Vertretungsunterricht), brauche ich Ihnen nicht auszumalen. Es mußte etwas passieren. An der Schule entspann sich ein Ideenwettbewerb. Im Schulelternbeirat haben wir über Schülerentwürfe diskutiert. Die Überbauung der Uferstraße, aber natürlich auch die Ausdehung auf das Gelände der Stadthalle waren angedacht. In dieser Situation wurden neue Pläne der Stadt bekannt. Unter der Turnhalle bei der Friedrich-Ebert-Schule sollten drei neue Klassenräume entstehen. Wir Eltern waren empört über diese weitere Flickschusterei, und über diesen Platz – zu dunkel, zu laut, zu wenig, zu weit weg. Wir wußten – wenn wir so eine Bunkerlösung akzeptieren, dann kommt es niemals zu einer Lösung aus einem Guß, dann ist die Chance für die MLS vertan. Es war Zeit, auf die Straße zu gehen, und zwar möglichst spektakulär. Mit Lehrern und Schülern gemeinsam haben wir eine Demo der ganzen Schulgemeinde ausgeheckt: eine Schüler-Eltern-Kette vom Hauptgebäude der MLS zu allen ausgelagerten Unterrichtsstätten. Wir haben Buttons ausgegeben (Lioba Rustige hatte Zugang zu einer Buttonmaschine), wir haben Luftballons bedruckt; wir haben die Zustimmung aller Eltern eingeholt – Demo heißt schließlich Unterrichtsausfall, und Verlassen des Schulgeländes. Am 15. Oktober 2002 waren die 5. und 6. Stunden unterrichtsfrei, mehrere Straßenzüge gesperrt ‑ hinein in die Heusingerstraße zur FES, in die Uferstraße bis zur Fußgängerbrücke, über die Lahn den Ortenberg hinauf und in die Heinrich-Heine-Str. zur Käthe-Kollwitz-Schule. Natürlich alles punktgenau berechnet – um 12:15 Uhr stand die Kette, La-Olah-Jubel-Wellen von einem Ende zum anderen. Wir hatten gasgefüllte Luftballons ausgegeben (selbstverständlich durch Fachpersonal – die Chemiker unter den Eltern), mit Kärtchen dran – wenn der Finder einen Raum für die MLS hat, solle er sich bei der Stadt melden. Um 12:20 Uhr stiegen gleichzeitig 1000 Luftballons auf, die für einige Minuten im Luftraum über Marburg das weit verzweigte Netz der Schulstätte MLS symbolisierten. Das hat nicht nur gut geklappt und Spaß gemacht – die Botschaft ist auch angekommen. Für 15:00 h am selben Tag hatte sich Schuldezernent Vaupel samt Bauamtsleitung in der MLS angekündigt. Wir waren darauf gefaßt, uns über die Bunkerlösung zanken zu müssen. Weit gefehlt. Stattdessen wurde uns ein Plan für einen Schul-Neubau auf dem Gelände der Stadthalle, also direkt neben dem Hauptgebäude der MLS, und ein unkonventionelles Konzept zur gemeinsamen Raumnutzung durch Stadthalle und Schule vorgestellt. Für das kommende Schuljahr wurden uns 6 Klassenraum-Container versprochen; der Neubau sollte 2005 oder 2006 bezugsfertig sein. Die Schülerkette war also ein voller Erfolg ! Moral 1: Elternengagement lohnt sich. Moral 2: Elternengagement lohnt sich besonders dann, wenn Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen. Moral 3: nicht immer kommt Elternengagement auch den eigenen Kindern zugute. Die Kinder, die hier 2002 mit ihrer Schule aus allen Nähten platzten, sind an der MLS längst keine Schüler mehr. Auch meine Jüngste hat letztes Jahr die MLS verlassen. Zu meiner Schande muß ich gestehen – von diesen Versprechungen habe ich anfangs kein Wort geglaubt. Wir haben auch später noch manches Mal die Luft angehalten – als der Architektenwettbewerb längst entschieden war, es aber trotzdem nicht voran zu gehen schien; als uns der Schuldezernent abhanden kam, weil er Oberbürgermeister und Kämmerer geworden ist (Frau Weinbach, – wir kannten uns ja noch nicht.). Ein solch großes Projekt findet in einem Stadtparlament sicher nicht nur Befürworter. Und auf der langen Strecke von acht Jahren, mit zwei Weltwirtschafts- und Finanzkrisen dazwischen und einem nicht immer prall gefüllten Stadtsäckel hätte es sicher genügend Gelegenheiten gegeben, das Projekt zu kippen oder ordentlich zurechtzustutzen. Umso mehr freuen wir uns heute, daß die Pläne realisiert werden konnten. Bei der Gelegenheit möchte ich etwas loswerden. Man muß einem OB auch einmal Dank sagen können. Herr Vaupel, in einer Zeit, in der viel über Politikverdrossenheit geredet wird, haben wir uns auf Ihr Wort verlassen können. Die Schulgemeinde der MLS dankt Ihnen dafür. Das Projekt hat natürlich viel mehr Mütter und Väter: Der Schulträger hat in allen Planungsphasen die Schule und auch uns Eltern mit einbezogen und befragt; wir wollen uns auch für diese Kooperativität der Stadt, für die Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedanken. Es fiel uns darum auch nicht schwer, die unvermeidlichen Verzögerungen mitzutragen. Da ich hier für die Eltern spreche, möchte ich besonders unseren rührigen damaligen Schulelternbeiratsvorsitzenden, Jürgen Mathias, erwähnen; und Kirsten Kremer-Landgrebe, unser langjähriges, unentbehrliches Bindeglied zu unendlichen Ausschußsitzungen. Lassen Sie mich schließen mit einer kleinen Unbescheidenheit. Durch diesen 1. Bauabschnitt haben wir sechs großzügige neue Räume gewonnen. Sechs Räume beheben jedoch nicht die Raumnot der MLS. Wir brauchen dringend weiteren Platz für Funktionsräume; wie sie an anderen großen Schulen dieser Stadt selbstverständlich sind. Die Pavillons dort drüben hinter der Ecke sind darum jetzt nicht plötzlich entbehrlich geworden. Wir brauchen die Pavillons für den Raum, den sie uns geben; und wir brauchen sie auch als deutlich sichtbaren Stachel im Fleisch einer Übergangslösung – bis zum Abschluß des 2. Bauabschnitts.